Mineralogie und Kristalle
Amethyst: der violette Quarz
Amethyst ist kein eigenes Mineral, sondern die violette Varietät von Quarz. Seine Farbe entsteht durch Spuren von Eisen im Kristallgitter, die natürliche Strahlung aktiviert hat. Härte, Dichte und Strich sind dieselben wie bei jedem anderen Quarz.
Steckbrief Amethyst
- Mineral
- Quarz, violette Varietät
- Chemische Formel
- SiO2 mit Spuren von Eisen
- Kristallsystem
- trigonal
- Mohshärte
- 7
- Dichte
- etwa 2,65 g/cm³
- Spaltbarkeit und Bruch
- keine Spaltbarkeit, muscheliger Bruch
- Glanz und Strich
- Glasglanz; Strich weiß
Physikalische Daten wie bei Quarz, nach Handbook of Mineralogy.
Amethyst ist die violette Varietät des Minerals Quarz. Chemisch besteht er wie jeder Quarz aus Siliciumdioxid (SiO₂), enthält aber geringe Mengen Eisen. Daraus folgt das Wichtigste für alle, die einen Amethyst bestimmen oder kaufen wollen: Bis auf die Farbe verhält er sich in jeder Hinsicht wie Quarz. Er ist hart (Mohshärte 7), hat keine Spaltbarkeit, bricht muschelig und hinterlässt auf einer unglasierten Porzellanplatte einen weißen Strich.
Warum Amethyst violett ist
Die Farbe des Amethysts reicht von einem sehr hellen, leicht rosafarbenen Lila bis zu tiefem Violett. Sie ist im Kristall meist ungleichmäßig verteilt; häufig sind nur die Spitzen oder einzelne Zonen gefärbt, wie bei dem Kristall aus Madagaskar im Bild oben.
Verantwortlich ist kein Farbstoff, sondern ein Defekt im Kristallgitter:
- Beim Wachstum baut der Quarz geringe Mengen Eisen (Fe³⁺) an bestimmten Stellen seines Gitters ein.
- Natürliche radioaktive Strahlung aus dem Gestein, etwa aus dem Zerfall von Kalium-40, schlägt über lange Zeit Elektronen aus diesen Eisenionen heraus.
- Die so entstehenden Farbzentren absorbieren Licht und lassen den Stein violett erscheinen.
Die nötige Strahlungsdosis kommt in granitischen Gesteinen laut Wikipedia allein durch den Kaliumzerfall in rund sechs Millionen Jahren zusammen. Farbloser, eisenhaltiger Quarz lässt sich im Labor durch Gammastrahlung in Amethyst umwandeln.
Verblasst Amethyst in der Sonne?
Ja, zumindest teilweise. Weil die Farbe auf einem empfindlichen Gitterdefekt beruht, verlieren Amethyste unter starkem UV-Licht und beim Erhitzen an Farbe. Eine Amethystdruse sollte deshalb nicht dauerhaft im direkten Sonnenlicht am Fenster stehen, und Schmuck gehört nicht in die Nähe großer Hitze.
Gebrannter Amethyst: Citrin, Prasiolith und Ametrin
Erhitzt man Amethyst auf etwa 400 °C, verändert sich der Zustand des Eisens. Das Violett schlägt in Gelb bis Goldbraun um. So entstehen die meisten Steine, die als Citrin im Handel sind; auch Bezeichnungen wie „Goldtopas" oder „Madeiratopas" stehen oft für gebrannten Amethyst, nicht für echten Topas. Natürlicher Citrin ist vergleichsweise selten und meist blass.
Manche Amethyste werden beim Brennen grünlich und kommen als Prasiolith in den Handel, andere werden ganz farblos. Wird nur ein Teil des Kristalls umgewandelt oder kommen beide Farben natürlich nebeneinander vor, spricht man von Ametrin, einer Kombination aus Amethyst und Citrin in einem Stein.
Brennen verändert nicht die Substanz: Der Stein bleibt Quarz. Gebrannte Stücke zeigen aber oft mehr Risse, und ihre Herkunft sollte im Handel angegeben sein.
Wo Amethyst entsteht: Drusen und Geoden
Gut ausgebildete Amethystkristalle wachsen in Hohlräumen: in hydrothermalen Gängen, also Spalten, durch die heiße, mineralreiche Lösungen zirkulierten, und vor allem in Blasenräumen vulkanischer Gesteine. In solchen Hohlräumen scheidet sich zuerst eine Schicht aus mikrokristallinem Quarz ab, dem Chalcedon, oft als gebänderter Achat. Darauf wachsen nach innen die Amethystspitzen.
Ist der Hohlraum nur ausgekleidet und innen offen, nennt man ihn Druse. Die rundlichen, oft faustgroßen Knollen, die außen unscheinbar und innen voller Kristalle sind, heißen umgangssprachlich Geoden. Die großen Amethystdrusen im Handel stammen überwiegend aus Brasilien, besonders aus dem Bundesstaat Rio Grande do Sul, und aus Uruguay. Sie können mehrere Meter hoch und tonnenschwer sein.
Fundorte weltweit und in Europa
Amethyst ist eine weit verbreitete Quarzvarietät, große und klare Kristalle in Schmuckqualität sind aber auf wenige Gebiete beschränkt. Wikipedia nennt unter anderem:
- Brasilien und Uruguay: große Drusen aus vulkanischem Gestein, heute die wichtigste Quelle
- Madagaskar, Namibia und Marokko
- Russland und Sri Lanka
- Deutschland: Die Edelsteinmine Steinkaulenberg in Idar-Oberstein ist heute ein Schaubergwerk; Abbau ist dort nicht mehr erlaubt.
- Österreich: Bei Maissau in Niederösterreich liegt das größte bekannte Amethystvorkommen Europas, ein Gang, der in einem Schaustollen zugänglich ist.
Woran man echten Amethyst erkennt
Weil Amethyst Quarz ist, helfen die üblichen Bestimmungsmerkmale weiter:
| Merkmal | Amethyst | Violettes Glas |
|---|---|---|
| Härte | 7: ritzt Glas und Stahl | etwa 5 bis 5,5: wird von Quarz geritzt |
| Farbverteilung | meist ungleichmäßig, in Zonen oder Bändern | oft völlig gleichmäßig |
| Kristallform | sechsseitige Spitzen, oft in Drusen | keine echten Kristallflächen |
Für Modeschmuck wird Amethyst laut Wikipedia häufig durch violettes Glas imitiert oder als zusammengesetzter Stein, eine Dublette, angeboten. Seit dem 20. Jahrhundert gibt es außerdem synthetischen Amethyst. Er ist chemisch Quarz und lässt sich nur mit gemmologischen Methoden sicher vom natürlichen Stein unterscheiden. Wer einen wertvollen Schmuckstein kauft, sollte deshalb auf eine klare Angabe zu Herkunft und Behandlung achten oder ein gemmologisches Gutachten verlangen. Hinweise für den Kauf auf Börsen stehen im Beitrag über Mineralienbörsen.
Amethyst als Schmuckstein
Amethyst in Edelsteinqualität ist ein beliebter Schmuckstein. Er wird facettiert geschliffen, etwa im Brillant-, Navette- oder Smaragdschliff, oder glatt als Cabochon. Als besonders wertvoll gelten gleichmäßig dunkelviolette Steine ohne sichtbare Einschlüsse. Daneben werden die undurchsichtige, violett-weiß gebänderte Varietät Amethystquarz und Ametrin verarbeitet.
Mit Mohshärte 7 ist Amethyst hart genug für Ringe und Anhänger, die im Alltag getragen werden. Härter sind Topas (8), Korund (9) und Diamant (10). Mehr zur Einordnung steht im Beitrag zur Mohs-Härteskala. Zum Reinigen genügen lauwarmes Wasser und ein weiches Tuch; Hitze und dauerhafte Sonne sollten Amethystschmuck aus den oben genannten Gründen nicht treffen.
Herkunft des Namens und Bedeutung
Der Name geht auf das altgriechische améthystos zurück und bedeutet „nicht trunken". Schon in der Antike entstand daraus der Volksglaube, ein Amethyst als Amulett oder ein Trinkgefäß aus Amethyst schütze vor Trunkenheit. Archäologisch ist das nicht belegt: Aus griechisch-römischer Zeit kennt man zahlreiche Becher aus Bergkristall, aber keinen aus Amethyst. Ein Mythos verbindet den Stein mit dem Weingott Bacchus, der eine Nymphe namens Amethyst in einen Kristall verwandelt und ihn mit Wein gefärbt haben soll.
Als Schmuck- und Siegelstein ist Amethyst seit Jahrtausenden in Gebrauch, ein minoisches Siegel aus Kreta wird auf die Zeit um 1700 bis 1450 vor Christus datiert. Hildegard von Bingen beschrieb ihn im Mittelalter als Heilstein. In der heutigen Esoterik gilt Amethyst als Stein gegen Süchte und für Ruhe und Intuition; außerdem wird er Sternzeichen und dem Monat Februar zugeordnet.
Hat Amethyst eine Wirkung?
Eine Heilwirkung ist wissenschaftlich nicht belegt. Diese Zuschreibungen sind Teil kultureller und esoterischer Traditionen. Wer einen Amethyst schön findet, braucht keine Wirkung als Begründung. Wer krank ist, sollte sich nicht auf einen Stein verlassen. Was über Heilsteine bekannt ist und wo Vorsicht angebracht ist, etwa bei „Edelsteinwasser", erklärt der Beitrag Heilsteine: Was ist belegt?.
Kurz zusammengefasst
- Amethyst ist violetter Quarz: SiO₂ mit Spuren von Eisen, Härte 7, weißer Strich.
- Die Farbe entsteht durch Eisen im Kristallgitter, das natürliche Strahlung aktiviert hat; Hitze und starkes UV-Licht bleichen sie.
- Gebrannter Amethyst wird gelb und kommt meist als Citrin in den Handel.
- Große Drusen stammen vor allem aus Brasilien und Uruguay; in Europa ist Maissau in Niederösterreich das größte Vorkommen.
- Glasimitationen sind weicher und oft gleichmäßig gefärbt; synthetischer Amethyst ist nur gemmologisch zu erkennen.
- Eine Heilwirkung ist nicht belegt.
Quellen
- Handbook of Mineralogy: Quartz (öffnet in neuem Tab) Kristalldaten, Härte 7, Dichte 2,65, Farben durch Fremdstoffe, Vorkommen
- Wikipedia: Amethyst (öffnet in neuem Tab) Farbursache (Eisen und Strahlung), Namensherkunft, Fundorte, Brennen, Imitationen, Esoterik ohne Wirkungsnachweis
- Wikipedia: Achat (öffnet in neuem Tab) Amethystlagen in Achatmandeln und Drusen vulkanischer Gesteine