Mineralogie und Kristalle
Hämatit: schwarz glänzend, aber mit rotem Strich
Hämatit ist Eisenoxid und eines der wichtigsten Eisenerze. Der sichere Test ist der Strich: Auch ein stahlgrauer, metallisch glänzender Hämatit hinterlässt auf unglasiertem Porzellan einen kirschroten bis rotbraunen Strich. Daher stammen die Namen Hämatit und Blutstein.
Steckbrief Hämatit
- Chemische Formel
- Fe2O3 (Eisen(III)-oxid)
- Mineralklasse
- Oxide und Hydroxide
- Kristallsystem
- trigonal
- Mohshärte
- 5 bis 6
- Dichte
- etwa 5,26 g/cm³
- Strich
- kirschrot bis rotbraun
- Glanz
- metallisch bis matt
- Eisengehalt
- rein rund 70 Prozent
Kristall- und Messdaten nach Handbook of Mineralogy.
Hämatit ist ein sehr häufiges Mineral aus Eisen(III)-oxid (Fe₂O₃). Frische Kristalle sind stahlgrau bis schwarz und glänzen metallisch, verwitterte oder feinkörnige Stücke dagegen rot. Der Name kommt vom griechischen Wort für Blut, haima, und spielt auf die rote Farbe des Pulvers an. Im Deutschen heißt Hämatit auch Blutstein, Eisenglanz oder Roteisenstein.
Woran man Hämatit erkennt
Hämatit ist eines der wenigen Minerale, die sich mit einem einzigen Test fast sicher bestimmen lassen:
- Strich kirschrot bis rotbraun: Reibt man das Stück über die Rückseite einer unglasierten Fliese, entsteht ein roter Strich. Das gilt auch für schwarz glänzende Kristalle.
- Hohe Dichte: Mit rund 5,26 g/cm³ ist Hämatit etwa doppelt so schwer wie Quarz gleicher Größe. Man spürt das in der Hand.
- Härte 5 bis 6: Ein Taschenmesser ritzt Hämatit kaum, Quarz ritzt ihn mühelos. Zur Einordnung siehe die Mohs-Härteskala.
- Keine Spaltbarkeit: Hämatit bricht uneben bis leicht muschelig und ist spröde.
- Kristallsystem trigonal: Kristalle sind oft tafelig bis blättrig, rhomboedrisch oder zu Rosetten gruppiert.
Hämatit oder ähnliche Minerale?
| Merkmal | Hämatit | Magnetit | Pyrit |
|---|---|---|---|
| Formel | Fe₂O₃ | Fe₃O₄ | FeS₂ |
| Farbe | stahlgrau bis schwarz, auch rot | schwarz | messinggelb |
| Strich | kirschrot bis rotbraun | schwarz | grünlich- bis bräunlich-schwarz |
| Magnetismus | nur sehr schwach | stark magnetisch | nicht magnetisch |
Auch Pyrit kommt häufig zusammen mit Hämatit vor, ist aber an der goldgelben Farbe und dem dunklen Strich leicht zu unterscheiden.
Formen und Varietäten
Hämatit tritt in vielen Ausbildungen auf, die teils eigene Namen tragen:
- Eisenglanz oder Specularit: stahlgraue bis eisenschwarze, stark glänzende Kristalle, oft bunt angelaufen. Das Foto oben zeigt Eisenglanz mit Quarz von der Insel Elba.
- Eisenrose: rosettenförmig angeordnete, tafelige Kristalle, bekannt aus den Schweizer Alpen.
- Eisenglimmer oder Eisenrahm: feine, blättrig-schuppige Kristalle.
- Roter Glaskopf: nierige, traubige Massen mit glatter Oberfläche und innen faseriger Struktur.
- Roteisenstein und Rötel: dichte oder erdige, rote Massen; mit Ton vermischt ist Rötel weich und färbt stark ab.
Wie und wo Hämatit entsteht
Hämatit bildet sich auf vielen Wegen. Laut Handbook of Mineralogy kommt er als Nebenbestandteil in hellen magmatischen Gesteinen vor, als Absatz aus vulkanischen Gasen, in heißen hydrothermalen Gängen und bei der Metamorphose, also der Umwandlung von Gesteinen unter Druck und Hitze. Besonders große Mengen stecken in den gebänderten Eisenerzformationen aus dem Archaikum, dem Erdzeitalter vor mehr als 2,5 Milliarden Jahren.
Hämatit ist außerdem ein häufiges Bindemittel in Sedimentgesteinen und für die Rotfärbung vieler Gesteine verantwortlich, zum Beispiel roter Sedimente aus trocken-warmem Klima. Reichlich entsteht er auch dort, wo eisenhaltige Minerale verwittern.
Bekannte Fundgebiete:
- Elba (Rio Marina) in Italien, berühmt für glänzende Kristalle
- die Schweizer Alpen (Sankt Gotthard, Binntal) für Eisenrosen
- Minas Gerais in Brasilien, das Eisenerzbecken Krywyj Rih in der Ukraine und die Lagerstätten am Oberen See in den USA
- in Deutschland unter anderem Roteisenerze aus dem Thüringer Wald bei Suhl und Roteisenstein aus Mittelhessen, etwa von der ehemaligen Grube Ruremark bei Bad Endbach
Auch auf dem Mars wurde Hämatit nachgewiesen. Die Funde gelten als Hinweis darauf, dass dort einmal Wasser vorhanden war.
Verwendung: Eisenerz, Pigment und Schmuckstein
Eisenerz: Reiner Hämatit enthält rund 70 Prozent Eisen und ist neben Magnetit das wichtigste Eisenerz der Welt.
Pigment: Fein gemahlener Hämatit ist ein ungiftiges rotes Pigment. Menschen nutzen ihn seit der Altsteinzeit für Höhlenmalerei und Körperbemalung. Ocker, Englischrot, Venezianischrot und Caput mortuum enthalten Hämatit, und Rötelstifte werden bis heute zum Zeichnen verwendet.
Spiegel und Poliermittel: Wegen seines starken Glanzes dienten polierte Hämatitplatten lange als Spiegel; fein gemahlen wird er als Poliermittel eingesetzt.
Schmuck: Poliert zeigt Hämatit einen kräftigen, fast silbernen Metallglanz. Er wird facettiert, als Cabochon oder zu Perlen und kleinen Skulpturen verarbeitet. Bereits im Alten Ägypten und in Babylon entstanden daraus Amulette, Gemmen und Rollsiegel.
Hämatit im Schmuck: empfindlicher als er aussieht
Laut Wikipedia ist Hämatit empfindlich gegenüber Hitze, Salzen und Säuren; beim Tragen auf der Haut kann die Oberfläche deshalb mit der Zeit angegriffen werden. Wegen seiner Sprödigkeit bricht er außerdem leicht, etwa bei einem Sturz auf Fliesen. Zum Reinigen genügt ein weiches, trockenes oder leicht feuchtes Tuch; scharfe Reiniger sind tabu.
Ist Hämatit magnetisch? Echter Hämatit und Hämatin
Reiner Hämatit ist nur sehr schwach magnetisch; ein normaler Magnet zieht ihn praktisch nicht an. Viele „magnetische Hämatit"-Armbänder im Handel bestehen deshalb nicht aus Hämatit:
- Hämatin oder Hematine ist eine Rekonstruktion aus pulverisiertem, gesintertem Eisenoxid. Laut den Nomenklaturregeln der CIBJO, des Weltverbands der Schmuckbranche, muss rekonstruierter Hämatit als solcher bezeichnet werden.
- Ein Gestein aus Hämatit und Magnetit aus Brasilien darf als Hämatit angeboten werden, solange der Hämatitanteil über 50 Prozent liegt. Es ist körnig, hat einen braunschwarzen Strich und ist magnetisch.
Ein einfacher Test: Hält man das Stück an einen Kompass oder einen kleinen Magneten, verrät deutliche Anziehung, dass es sich nicht um reinen Hämatit handelt. Auch der Strich hilft: Echter Hämatit streicht rot. Hinweise zum ehrlichen Kauf finden sich im Beitrag über Mineralienbörsen.
Bedeutung und Wirkung
In der Steinheilkunde gilt Hämatit wegen seines Namens vor allem als Stein für das Blut und die Blutbildung, außerdem als Schutzstein und als Stein der Erdung, der dem Wurzelchakra zugeordnet wird. Je nach Quelle wird er dem Sternzeichen Widder oder Skorpion zugeschrieben.
Wissenschaftliche Belege für eine Wirkung gibt es nicht. Insbesondere ersetzt ein Stein keine Untersuchung bei Verdacht auf Blutarmut. Ein Hämatit am Handgelenk liefert dem Körper kein Eisen. Was der Körper tatsächlich an Eisen braucht und woher er es bekommt, erklärt der Beitrag über Eisen und Eisenmangel. Allgemein zum Thema: Heilsteine: Was ist belegt?
Kurz zusammengefasst
- Hämatit ist Eisen(III)-oxid, Fe₂O₃, trigonal, Härte 5 bis 6, Dichte rund 5,3 g/cm³.
- Das sicherste Merkmal ist der kirschrote bis rotbraune Strich, auch bei schwarzen Stücken.
- Er ist eines der wichtigsten Eisenerze und ein seit der Steinzeit genutztes rotes Pigment.
- Reiner Hämatit ist kaum magnetisch; stark magnetische Armbänder sind meist Hämatin oder Magnetit-Gemische.
- Im Schmuck ist Hämatit empfindlich gegen Säuren, Salze und Stöße. Eine Heilwirkung ist nicht belegt.
Quellen
- Handbook of Mineralogy: Hematite (öffnet in neuem Tab) Kristalldaten, Härte, Dichte, Strich, Farbe, Vorkommen, Namensherkunft
- Wikipedia: Hämatit (öffnet in neuem Tab) Varietäten, Bildung und Lagerstätten, Verwendung als Erz und Pigment, Hämatin, Magnetismus, Esoterik ohne Wirkungsnachweis
- Handbook of Mineralogy: Magnetite (zum Vergleich) (öffnet in neuem Tab) Strich schwarz, stark magnetisch
- Handbook of Mineralogy: Pyrite (zum Vergleich) (öffnet in neuem Tab)